Gehörlose
Gehörlose werden ohne Hörvermögen, das heisst ohne verwertbares Rest-
gehör geboren, oder sie haben es noch vor dem Spracherwerb verloren.
Dieser Personenkreis kann Lautsprache akustisch nicht wahrnehmen und
auch nicht auf normalem Wege erlernen. Gehörlose haben in der Regel gute Kennt-nisse in Gebärdensprache.
Die Deutsche Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt. Lautsprachbegleitende Gebärden sind als Kommunikationsform der deutsch-
en Sprache anerkannt.
Die Deutsche Gebärdensprache ist ein eigenständiges Sprachsystem, mit
dem sich alles aus-drücken lässt: Gefühle, Fachbegriffe, Neuigkeiten, Ab-
straktes, Witze usw. Die Wahrnehmung der Sprache erfolgt rein visuell,
d.h. über die Augen.
Anders als gesprochenen Sprachen wird zur Sprachproduktion neben dem
Mund auch der Körper (Hände, Arme, Oberkörper, Kopf) eingesetzt. Eine besondere Rolle spielt ausserdem die Mimik, die Teil der komplexen Gebär-densprach-Grammatik ist. Untereinander verständigen sich Gehörlose in
der Regel in der Deutschen Gebärdensprache, einem visuellen Sprachsystem
mit eigener Grammatik.
Die Gebärdensprache ermöglicht Gehörlosen eine entspannte und verlässliche Kommunikation. Diese Sprache ist aber noch mehr: Sie bildet die Grundlage
einer eigenen Sprachgemeinschaft und Kultur, zu der sich auch Hörende, die
die Gebärdensprache beherrschen, zugehörig fühlen.
Die häufige Frage, ob die Gebärdensprache eigentlich international ist, muss verneint werden. Gebärdensprachen unterscheiden sich von Land zu Land
(z.B. British Sign Language und American Sign Language).
Gehörlose aus aller Welt können sich nach kurzer Eingewöhnung jedoch miteinander verständigen.